Meereslandschaften

undefined Weg zum Meer, 2016, 90 x 120 cm

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Mona Breede hat mit ihren Choreographien, Menschen im öffentlichen Raum, eine sehr eigen- ständige Position in der zeitgenössischen Fotografie gewonnen. Zu dieser Arbeit gehörte immer auch das Landschaftsbild, dem sie nun mit den „Meereslandschaften“ eine neue umfangreichere Werkgruppe widmet. Der Raum gewinnt hier eine besondere Bedeutung, und die verschiedenen Sphären, Himmel, Wasser, Erde, sind in diesem kaum geschieden. Die Menschen treten nicht als Individuen auf, sie sind Teil des Landschaftsraumes und definieren ihn. Sie verstärken den Eindruck der Weite, wie sie erst das Gefühl von Verlassenheit und Erhabenheit erzeugen, als Projektion menschlicher Empfindungen. Das oftmals gedämpfte Licht führt zu einer Konzentration und dadurch Intensivierung dieses Moments.

Formal gibt es eine weitere Ebene. Die Personen scheinen einer geheimen Regie zu gehorchen, als unterlägen sie einer höheren Ordnung. Auch Artefakte, wie Strandkörbe, sind diesem inneren Gesetz unterworfen. So schaffen diese Konfigurationen ein zusätzliches Bildmoment, sie sind wie Tableaus der Raumdarstellung eingeschrieben und doch mit dieser eins. Sie geben den Bildern kompositorisch einen Halt, wirken als Gegengewicht zu dem Tiefenzug und vermitteln eine Gelassenheit, die die Landschaften vor jedem falschen Pathos bewahrt. Damit sind sie in ihrer Grundkonzeption den Choreographien der Städtebilder nahe, nur dass die hier in unterschiedlicher Weise anklingenden kritischen Fragen ausgeschieden sind zugunsten der Darbietung eines großen, zeitenthobenen Naturentwurfs.

Peter Dittmar, 2016
Pressetext zur Ausstellung