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"Choreographien" in Photography now
Mona Breede beobachtet die Menschen und nicht das Individuum. Sie fragt nicht nach den Motivationen des Einzelnen und wählt die Orte nicht nach Themen aus. Was die Fotografin interessiert, ist der Mensch vor dem Hintergrund des öffentlichen Raumes. Vereinfacht ausgedrückt, geht es ihr um das Verhältnis von Objekt und Fläche oder Figur und Grund. Auf diesem geheimnisvollen Prinzip beruhen tatsächlich die meisten ihrer Motive. Eigentlich sind die Bilder wie Zeichnungen aufgebaut. Es gibt einen definierten Hintergrund und auf diesem vollzieht sich eine Geste. Die Künstlerin hantiert jedoch nicht mit Stift und Papier. Sie arbeitet mit der Kamera. Statt der Geste manifestiert sich dadurch zunächst ein Zustand.
Um vom Zustand wieder zur Geste zu gelangen, erfasst sie zeitlich versetzt vor dem gleichen Hintergrund mehrere, unterschiedliche Momente. Und erst die Summe dieser Aufnahmen enthält das gesuchte Element: Eine Aktion von Mensch und Raum, unsichtbar festgehalten zwischen den einzelnen Standbildern. ›Was hat sich verändert? Was geschah?‹ Diese Fragen stellt sich der Betrachter. Vordergründig passiert nicht viel. Es ist gerade genug, um das Interesse für den Prozess oder die jeweils neuen Konstellation im Bild zu wecken.
"Mich faszinieren Menschen in unterschiedlichen Kontexten, die sich auf Plattformen vergleichbar einer Bühne bewegen."
Die Fotografie dokumentiert hier nicht den realen Ort. Das, was passiert, vollzieht sich eher wie auf einer Bühne. Alle Schauplätze weisen die notwendige Abstraktion oder Kulissenhaftigkeit auf. Ganz egal, ob es sich um städtische Zonen, parkähnliche Anlagen oder einfach um eine stille Landschaft handelt - die Szenerie wirkt befremdlich und entrückt. Die Realität tritt zugunsten der Kunst in den Hintergrund.
Ein perfekten Teppich für den Auftritt der Spaziergänger stellt der schneebedeckte Strand unter grauem Winterhimmel dar. Einzelne Passanten oder Personengruppen bilden plötzlich interessante, beinahe erzählerische Formationen. Oft scheint die Szene wie von einer unsichtbaren Choreographie gelenkt. Man denkt an Schauspiel, Tanz, Performance.
"Während auf der Bühne eine Bewegung vorgegeben werden kann, spielt in meinen Fotografien der Moment des Zufalls eine entscheidende Rolle."
Die Bewegung und Handlung der Personen sind für die Fotografin nicht vorhersehbar. Es gibt daher keine Posen. Anordnung, Gruppierung und Auflösung ergeben sich aus dem zeitlichen Bezug und definieren immer wieder aufs Neue den Raum. Mona Breedes Fotoserien verdichten in ihrer Ausschnitthaftigkeit allgemein Menschliches und müssen als ›Raum-Zeit-Studie‹ gelesen werden. Darüber hinaus schärfen die poetischen Bildsequenzen unsere Wahrnehmung bezüglich minimaler Variationen von Form.
Claudia Stein
Photography now
4.01 Journal für Fotografie und Videokunst
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