"Menschen und Räume"


Wir vermissen sie immer wieder in den professionellen Architekturfotografien, mit denen wir als Fachzeitschriften arbeiten müssen: Menschen. Glaube man aber nicht, dass Bilder mit Menschen »realistischer« seien als menschenleere: Die hier publizierten Fotografien beweisen das Gegenteil, obwohl sie keineswegs »gestellt« sind. Die in Hamburg, München und Karlsruhe ausgebildete Fotografin geht mehrfach an dieselben Orte, sieht genau hin, wartet bestimmte Momente ab und hebt den fotografischen Augenblick in eine präzise Bildgegenwart. Menschen erscheinen in diesen Bildern in einer Kunstwelt, in der das Reale auf eine ästhetische Spitze getrieben ist. Den Menschen rückt Mona Breede kaum zu nahe, sie sieht jedoch Figurenchoreografie, die der Wirklichkeit entspringt.

Die Orte sind irgendwie modern: Architektur von Dani Karavan, Bernard Tschumi, karge Landschaften, schneebedeckte Meeresstrände. Alles erscheint in einem hellen, milden schlagschattenfreien – aber doch nicht kalten Licht. Nun schauen wir natürlich als Architekten oder Ingenieure auf diese Bilder, und das ist ernüchternd und beruhigend zugleich: Auf die Architektur kommt es in diesen Bildern nämlich nicht an, sondern auf das Verhältnis zwischen Menschen und Räumen – in nahezu allen Fotografien bleiben sie auf freundlicher Distanz. Öffentliche Räume, die Mona Breede aufsuchte, haben nichts Heimeliges oder gar Gemütliches. Aber Menschen einer mobilen, globalisierten Gesellschaft sind genau hier zuhause.

Ursula Baus
db deutsche Bauzeitung, November 2003


Menschen und Räume
Fotografien von Mona Breede. Mit einem Vorwort von
Peter Dittmar und einem Text von Rolf Sachsse
58 Seiten, 50 Farbabbildungen, Format 21,5 x 28 cm,
Broschiert mit Leinenumschlag, 20 Euro   >> Katalog bestellen
Edition Dittmar, Berlin 2003

 
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Konzeption und Realisierung: www.otenso.de