"Mona Breede, Profile"




Die Personen werden isoliert, in ruhiger Pose gezeigt. Es wird keine Tätigkeit vorgeführt; vom Umraum und Raumbezügen wird abstrahiert. Dazu gehört die neutrale Lichtführung. Es besteht eine völlige Konzentration auf die Person. Durch die Handlungslosigkeit, das Verharren, die wie eingefrorene Pose fehlt auch ein eigentlicher Richtungsimpuls, wie er sonst der Profildarstellung eigen ist. Diese Kontextungebundenheit führt zu einer eigentümlichen Stilisierung. Das Ergebnis ist angehaltene Zeit. Das Dargestellte bekommt abstrakte Qualität.

Auf inszenatorischen Aufwand wird verzichtet. Es fehlen Attribute und Hinweise auf Statuszugehörigkeit und soziales Rollenverhalten. Auch dadurch wird jede Ablenkung von der Person und vom Gesicht vermieden. Die Kleidung ist nur unmerklich attributivisch. Sie ist nicht personenneutral, gehört zu dem gezeigten individuellen Menschen und ist sofern Teil seiner Identität. Aber sie ist nichts dieser Person Äußerliches, sie hat keinen hinweisenden Charakter, fordert keine gesonderte Aufmerksamkeit.

So werden diese Personen bei aller Form der Darbietung, des sich Zeigens keine Objekte. Sie sind nur sie selbst. Es besteht eine Würde des Authentischen, eines Selbstbewußtseins, das aus der Übereinstimmmung von Erscheinung und Selbst entspringt. Die Präsentation, das Vorzeigen als Individuum macht sie nicht einem Zugriff verfügbar. Sie bleiben ganz bei sich, sie geben nichts preis. Sie schaffen um sich eine auratische Distanz. Das Gesicht ist nicht Spiegel des Charakters oder psychischer Vorgänge, wie andererseits keine Idealisierung, Überhöhung stattfindet. Gezeigt wird, soweit das möglich ist, die Erscheinung an sich.

Die Photographie liefert vermeintlich wie keine andere Gattung ein naturalistisches Abbild des Menschen. Aber auch sie muß den unendlichen Facettenreichtum der Erscheinung, des Ausdrucks in einen Moment einfrieren. Sie arbeitet jedoch in aller Regel mit einer Vielzahl von hinweisenden oder narrativen Elementen, von den manipulativen und deformierenden zu schweigen (auch durch Einsatz verschiedener Techniken). Darauf wird hier gänzlich verzichtet.

Die Form des Profilbildnisses führt tendenziell zu einer Entindividualisierung. Dieses Phänomen, diese Form der Stilisierung, wird hier benutzt, um, wie angedeutet, zusammen mit anderen Mitteln eine überzeitliche, kontextungebunde Sphäre zu schaffen. Diese Aura der Distanz macht aus den Porträtieren alles andere als blutleere Wesen, sie führt nicht von ihnen fort, sondern lenkt zu ihnen hin. Gerade hieraus erwächst die Dichte und innere Spannung dieser Bildnisse.

Peter Dittmar
Galerie Dittmar


 
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