"Berlin - Sedimente einer Stadt"


In der Ausstellung   Berlin - Sedimente einer Stadt   zeigt Mona Breede ein seismografisches Bild unserer Gesellschaft. Ort und Hintergrund der vielschichtigen Inszenierungen bildet Berlin, als Hauptstadt Deutschlands und als Ort, an dem sich aktuelle gesellschaftliche Zeitphänomene besonders deutlich zeigen. Die Fotografin hat immer wieder an einer Vielzahl von Straßen und Plätzen in Berlin Menschen und ihr Verhalten mit der Kamera festgehalten. Sie sind unterschieden im Alter, Geschlecht und sozialen Status und werden neu in Beziehung zueinander gesetzt. Das gesellschaftliche Spektrum umfasst dabei auch Außenseiter und Randexistenzen, wodurch sich in den Konstellationen die zunehmenden gesellschaftlichen Spannungen spiegeln. Formal herrscht dabei stets ein feiner choreografischer Rhythmus vor. Zusammen mit den Stadtansichten und Architekturzitaten werden somit die Schichten und Ablagerungen einer Stadt visualisiert.

In unterschiedlicher Ausformung trifft das für alle vorgestellten Arbeiten zu, wobei die Serie der vier Mauerpanoramen eine eigene Werkgruppe bildet. Mauern als Symbole für Trennung und Abgrenzung wie als gestalterisches Element durchziehen das Werk von Mona Breede schon seit vielen Jahren. Bereits in der Förderkoje auf der Art Cologne 2005 präsentierte sie ein fünfzehn Meter langes Bildpanorama mit einer Mauer, in dem sie ihren Aufenthalt in New York künstlerisch verarbeitete. In Berlin ist die Mauer untrennbar mit der Geschichte Deutschlands verbunden und die wenigen Reste werden heute als touristische Reliquien behandelt oder sogar neu für die Besucher inszeniert.

In der Werkgruppe der Künstlerin ist die Berliner Mauer nur noch Reminiszenz, historische Folie und Resonanzraum für die weitergehenden Betrachtungen über die Mauern und Konfliktpotentiale, die sich in einer Gesellschaft auftun, die mit vielfältigen sozialen und politischen Umbrüchen konfrontiert ist und deren Grundwerte fragwürdig geworden sind. So thematisiert "Mit Sicherheit keine Freiheit", dem Slogan eines Gewinnmotivs der Plakatwerbung der Organisation Aktion Mensch entnommen, einen Konflikt in unserer Gesellschaft, indem die zunehmende Überwachung nicht immer zu größerer Sicherheit führt, sondern in das Gegenteil, die Gefährdung unserer Freiheit, umschlagen kann.

Formal setzen sich die Panoramen aus vielen, einzelnen Bildfragmenten zusammen, in denen neben verschiedenen Personenkonstellationen und Architekturen in reichem Maße Bildzitate wie Graffitis, Häuserbemalungen oder Werbetafeln verwendet werden. Das Zusammenwirken dieser verschiedenen Bildebenen und semantischen Verweise ergibt ein komplexes und vieldeutiges Bild der Realität. Gleichzeitig kreieren diese Konfigurationen eine Bildrealität von hohem ästhetischem Reiz.

Dr. Peter Dittmar, 2010
Pressetext zur Ausstellung

 
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